Tacheles. Ausgabe #1
- Sandra Maria Sabitzer
- 4. Juni
- 1 Min. Lesezeit

Aber dann hab ich mich eigentlich selbst dabei erwischt, wie ich Feminismus kleiner mache, damit er für alle passt. Siehst du das Problem auch?
Feminismus als gelebte Erfahrung bedeutet zu wissen, wie es sich anfühlt, als Frau durch die Welt zu gehen. Benachteiligt zu werden, unsichtbar zu sein wenn, es um Beförderungen geht (aber sichtbar, wenn du einen kurzen Rock anhast), zu verstehen, wie es ist, weniger Raum zu bekommen. Ja, das können Männer zwar intellektuell verstehen, empathisch nachvollziehen, politisch unterstützen. Aber die körperliche, emotionale, alltägliche Erfahrung von Unterdrückung, die können sie eben nicht aus der Sicht einer Frau haben. Strukturell nicht.
Und deshalb ist "Feminist sein" für Männer die falsche Bezeichnung. Das macht ihr Engagement allerdings nicht wertlos. Der Begriff Feminist impliziert aber Betroffenheit, die sie halt einfach nicht haben. Ally wäre dafür die richtige Bezeichnung, dafür braucht es eben auch Selbstreflexion, sich so nennen zu können und dran zu bleiben.
Das ist Tacheles. Wahr. Auch wenns weh tut oder erstmal komisch und unlogisch, vielleicht auch unwichtig klingt. Ist es meiner Meinung nach aber nicht, denn Worte haben Macht. Sprache formt, wie wir denken, was wir für möglich halten, wer sich zugehörig fühlt und wer eben nicht. Das ist keine Kleinigkeit. Ich hab erst kürzlich einen Vortrag darüber gehalten und genau dabei ist mir wieder bewusst geworden, dass ich selbst in meinem eigenen Newsletter Sprache verwendet hab, die nicht mehr zu meiner Haltung passt.
Ab jetzt schreibe ich dir das, was ich mir denke, aber nicht immer sage (bislang). Jeden Donnerstag.
Schön, dass du da bist!
Sandra



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