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Er hat sie geliebt.

  • Autorenbild: Sandra Maria Sabitzer
    Sandra Maria Sabitzer
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Alle fünf Tage.


Wieder einer. Wieder eine Frau tot. Wieder dieselbe Berichterstattung. Ich hatte auf Social Media schon über Femizide und die Berichterstattung gesprochen.


"Aus Eifersucht." "Ein Beziehungsdrama." "Er konnte nicht loslassen." Manchmal steht da sogar: "Er liebte sie zu sehr."

Femizide in Österreich
Femizide in Österreich

Ich lese das und schreie innerlich: Nein! Das war keine Liebe, sondern einfach Macht, Kontrolle bzw. deren Verlust! Als als ihm diese Macht aus den Händen geglitten ist, als sie gegangen ist, als sie Nein gesagt hat, als sie aufgehört hat, ihm zu gehören, ja dann hat er entschieden, dass er über ihr Leben bestimmt. Im wahrsten Sinne.


Weder ist das ein Drama oder gar Einzelfall, das macht aber diese Berichterstattung immer so tückisch, dass wir es eben glauben (sollen). Nein: es steckt ein System dahinter!


In Österreich wird alle fünf Tage eine Frau von einem Mann getötet, meistens von einem, den sie kennt. Dem sie vertraut hat. Mit dem sie zusammengelebt hat. Trotzdem reden wir immer noch von Tragödien, von Ausrastern, von Männern, die einfach nicht damit umgehen konnten. Wie von Einzelschicksalen!


Aber was wäre, wenn wir es beim Namen nennen würden? Nicht "Beziehungsdrama": sondern Femizid. Nicht "er konnte nicht loslassen": sondern er hat geglaubt, er darf das. Nicht "Eifersucht": sondern Frauenhass. Der Glaube, dass eine Frau ihm gehört. Und dass er das Recht hat, sie zu bestrafen, wenn sie das nicht mehr akzeptiert.


Sprache formt, was wir für möglich halten. Wenn wir Femizide als Einzelfälle beschreiben, als Dramen, als Tragödien, ja dann bleibt das System unsichtbar. Dann fragen wir weiter: Was hat sie getan? Warum ist sie nicht gegangen? Warum hat sie sich das gefallen lassen? Warum, warum, warum... Wir geben ihr die Schuld daran! Statt: Warum glauben Männer, dass sie das dürfen?


Das ist die einzige Frage, die hier gestellt werden sollte!


Noch etwas, das noch viel zu wenig gesagt wird: Waffen gehören in diese Debatte.

Bei jedem vierten Femizid in Österreich erschoss der Täter sein Opfer mit einer Waffe, die er oft legal besessen hat. In Österreich befinden sich rund 2,5 Millionen Schusswaffen im Umlauf, fast nirgends in der EU kam man bisher so leicht an eine Waffe wie hierzulande!!!!!


Das neue Waffengesetz, das im September 2025 beschlossen wurde, ist ein Schritt. Aber weißt du, wer als einzige Partei dagegen gestimmt hat? Die FPÖ. Als einzige Partei stimmte sie gegen die Verschärfung, während acht von zehn Österreicher*innen laut Umfragen dafür waren. Die FPÖ, die sich gerne als Schutzpartei der kleinen Leute inszeniert. Die aber genau dann fehlt, wenn es darum geht, Frauen vor Männern mit Waffen zu schützen.


Solange die Medien, die Politik, die Gesellschaft also die falschen Fragen stellen, werden wir weiterzählen. Alle fünf Tage.


Das ist Tacheles!

Sandra



Wenn du jemanden auf der Bühne haben willst, die unbequeme Fragen stellt und die Zahlen nennt, dann meld dich bei mir! Ich spreche zu Ungleichheiten und Gleichberechtigung. 

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