Schaumbäder und Maniküre
- Sandra Maria Sabitzer
- vor 14 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
lösen unsere Probleme nicht.
Warum Self-Care nur funktioniert, wenn sich endlich Freiräume für Frauen ergeben.
Neulich hat mir eine Freundin gesagt, ich solle besser auf mich schauen. |
Sie meinte es gut. Wirklich. Ich solle mir mehr Zeit für mich nehmen. Ein Bad einlassen. Mal wieder Yoga machen. Vielleicht ein (Wellness)Wochenende nur für mich. Selbstfürsorge. Self-Care. Du kennst das bestimmt! Und ich habe gespürt, wie die Wut hochkommt. Nicht auf sie. Auf das System, das uns diese Lüge verkauft. Selbstfürsorge ist Gaslighting. Gaslighting bedeutet: Dir wird eingeredet, das Problem liegt bei dir. Nicht beim System. Du bist zu empfindlich. Du machst zu viel. Du organisierst dich falsch. Du sollst an dir arbeiten. (Übrigens auch ein riesen Thema, warum Coaching und Mentoring in den letzten Jahren in Verruf geraten ist... aber das ist ein Thema für einen anderen Newsletter) Selbstfürsorge ist aktuell für viele Frauen aber genau das. Ich bin erschöpft. Nicht, weil ich zu wenig meditiere. Sondernm weil ich drei Kinder habe, selbständig bin, den Haushalt gemeinsam mit meinem Mann manage, auch heute noch großteils den Mental udn Emotional Load trage, Termine koordiniere, Emotionen reguliere, Konflikte löse, Beziehungen pflege und nebenbei noch versuche, meine Arbeit zu machen. Das ist strukturelle Ausbeutung. Und dann wird mir gesagt: Mach halt mal Yoga? Als ob ein f* Schaumbad diese Probleme lösen würde. Versteh mich nicht falsch. Ich bin nicht gegen Pausen. Nicht gegen Auszeiten. Nicht dagegen, dass wir auf uns schauen sollen. Aber ich bin dagegen, dass Selbstfürsorge als Lösung verkauft wird für ein Problem, das strukturell ist. Selbstfürsorge individualisiert, was politisch ist. Sie sagt: Du bist das Problem. Nicht das System. Sie sagt: Wenn du nur besser für dich sorgen würdest, ginge es dir besser. Sie sagt: Du bist selbst schuld an deiner Erschöpfung. Das ist die perfekte Strategie. Weil sie uns beschäftigt hält. Weil wir uns dann mit Achtsamkeits-Apps und Wellness-Wochenenden beschäftigen, statt die Strukturen zu ändern und für einen Wandel einzustehen, die uns erschöpfen. Selbstfürsorge stabilisiert das System, statt es zu verändern. Weißt du, was ich brauche? Keine Badewanne. Sondern einen Partner, der die Hälfte trägt. Ohne dass ich ihn daran erinnern muss (das klappt bei uns durch viel Arbeit und Reibung und Streit mittlerweile sehr gut!) Kein Yoga-Retreat. Sondern flächendeckende, leistbare UND qualitativ hochwertige Kinderbetreuung in Kleingruppen mit möglichst vielen Pädagog*innen (die fair bezahlt werden!). Keine Achtsamkeits-App. Sondern Equal Pay. Keine Selbstoptimierung. Sondern strukturelle Veränderung. Ich bin nicht erschöpft, weil ich schlecht für mich sorge. Ich bin erschöpft, weil das System auf unbezahlter weiblicher Arbeit aufgebaut ist. Weil Care-Arbeit unsichtbar ist. Weil Mental Load nicht als Arbeit zählt. Weil ich alles unter einen Hut bringen soll, während sich die Strukturen nicht ändern. Und dann wird mir gesagt, ich solle ein Bad nehmen? Das ist zynisch. Ich will keine Wellness-Tipps mehr hören. Ich will politische Maßnahmen. Ich will, dass Care-Arbeit bezahlt wird. Ich will, dass Mental Load sichtbar wird. ![]() Ich will, dass Väter genauso selbstverständlich Teilzeit arbeiten und in Karenz gehen wie Mütter. Ich will, dass Kinderbetreuung nicht mein Problem ist, sondern gesellschaftliche Verantwortung, getragen auch von jenen, die keine Kinder haben!!! Selbstfürsorge kann nicht die Antwort sein auf ein System, das Frauen* systematisch ausbeutet. Selbstfürsorge macht uns mundtot. Sie hält uns beschäftigt. Sie individualisiert. Sie entpolitisiert. Und sie entlastet das System. Weil wir dann nicht mehr fragen: Warum bin ich erschöpft? Sondern: Was mache ich falsch? Das ist der Trick. Ich will Rebellion. Bist du dabei? |



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