Ich bin nicht gestresst – ich bin systematisch überfordert.
- Sandra Maria Sabitzer
- 18. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Ich habe lange gedacht, mit mir stimmt etwas nicht.
Weil ich müde bin. Reizbar. Überfordert.
Weil mir die Leichtigkeit fehlt, obwohl doch „eigentlich alles gut“ ist.
Weil ich mich durch den Tag kämpfe – mit To-do-Listen, Kinderterminen, Mails, Deadlines und einer leisen inneren Stimme, die fragt: Wann bin eigentlich ich dran?
Und dann wurde mir klar: Ich bin nicht gestresst, weil ich zu schwach bin. Ich bin gestresst, weil das System so gebaut ist, dass Frauen* darin systematisch überfordert sind.
Wir sollen alles können: Arbeiten, Kinder betreuen, ein schönes Zuhause schaffen, uns gesund ernähren, Sport machen, an der Beziehung arbeiten und dabei bitte noch gelassen, gepflegt und gut gelaunt bleiben. Wir haben gelernt: Wenn’s zu viel ist, liegt’s an uns. Dann müssen wir eben besser planen. Mehr meditieren. Früher aufstehen. Positiver denken. Selbstoptimierung als Dauerlösung.
Aber was dabei völlig ignoriert wird: Wir sind keine Männer. Unser Körper funktioniert anders. Unser Hormonhaushalt verändert sich zyklisch. Unsere Energie verläuft nicht linear – und das ist keine Schwäche, sondern biologische Realität. Es ist nicht normal, dauerhaft im männlich geprägten Leistungsmodus zu funktionieren.
Kein Atemtraining der Welt kann ein strukturelles Problem lösen.
Natürlich hilft es, den Körper zu regulieren. Ich liebe das. Aber genauso wichtig ist es, hinzuschauen: Wer trägt hier die Verantwortung? Wer leistet Care-Arbeit? Wer stellt sich zurück – und warum?
Wir sind nicht überfordert, weil wir unfähig sind. Wir sind überfordert, weil dieses System auf unserer Unsichtbarkeit aufbaut. Weil es unsere Erschöpfung normalisiert. Weil es unsere unbezahlte Arbeit nicht sieht – aber erwartet.
Ich schreibe dir das nicht, um dich wütend zu machen. Ich schreibe es, um dich zu erinnern: Du bist nicht falsch.
Und vielleicht ist es genau diese Erkenntnis, die uns wieder atmen lässt. Die uns stärkt. Die uns erlaubt, andere Wege zu gehen. Nicht perfekt. Aber bewusst.
Wenn du magst, begleite ich dich auf diesem Weg. Mit Coaching, mit Impulsen, mit echten Gesprächen – nicht mit leeren Ratschlägen.
In der nächsten Zeit plane ich einen Austauschraum genau dazu: Wie wir wieder klarer spüren können, was unser Tempo ist. Wie wir Strukturen erkennen und verändern. Wie wir atmen – und gleichzeitig aufstehen.
Wenn du dabei sein willst, melde dich gern. Ich erzähl dir bald mehr.
Von Herzen,

Sandra



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