Mama, was ist eine Feministin?
- Sandra Maria Sabitzer
- 31. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit

Und was ich meinem Kind darauf wirklich sagen will.
Neulich fragte mich eines meiner Kinder beim Abendessen: „Mama, was ist eigentlich eine Feministin?“ Ich habe geschluckt. Nicht, weil ich keine Antwort hatte – sondern weil ich gespürt habe: Diese Frage ist groß. Und gleichzeitig ganz einfach. Denn was ich meinen Kindern beibringen will, ist nicht nur ein Begriff.
Es ist eine Haltung. Eine Art, die Welt zu sehen. Und sich selbst darin.
Feminismus für Kinder erklärt – einfach, aber nicht banal.
Eine Feminist*in ist ein Mensch, der will, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Egal, welches Geschlecht sie haben. Egal, wie sie aussehen, wen sie lieben oder woher sie kommen.
Feminismus heißt: Niemand wird benachteiligt – und niemand wird bevorzugt. Und ja: Weil das noch nicht überall so ist, sprechen wir darüber. Wir machen sichtbar, was sonst unsichtbar bleibt. Und wir handeln – im Kleinen und im Großen.
Wie Kinder Gleichberechtigung erleben (oder eben nicht)
Kinder lernen nicht nur durch Worte – sondern durch das, was wir vorleben.
Zum Beispiel:
Wer bringt den Müll raus, wer verdient das Geld, wer organisiert die Jause?
Wer darf traurig sein, wer laut sein, wer bestimmen?
Wie sprechen wir über andere? Und über uns selbst?
Sagen wir: „Sei brav“ – oder „Vertrau auf dich“?
Feminismus beginnt im Alltag. Im Badezimmer. In der Konfliktlösung. Am Frühstückstisch. Und er zeigt sich auch in Büchern, Serien, Geschichten. Hier ein paar Beispiele.
Serien, die Gleichberechtigung zeigen:
Serie: „Ada Twist“ oder „Waffles + Mochi“ (Netflix) – kluge, neugierige Hauptfiguren jenseits von Stereotypen
„Anne with an E“– Starke Mädchenfigur, aber auch Jungenfiguren, die weinen dürfen, empathisch sind, lernen, zuhören. Große Themen wie Identität, Herkunft, Gerechtigkeit.
„Der junge Wallander“ (für ältere Teenager)– Gesellschaftskritisch, nachdenklich, kein „Superheld“, sondern ein Mann mit Zweifeln, Ambivalenz, Lernkurve.
„Heartstopper“ (Netflix)– Sensible Jungs, queere Themen, Freundschaft, Scham, Mut. Unfassbar warm und menschlich.
„Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen – Die Serie“– Kindgerecht, humorvoll, zeigt auch einen Jungen, der kreativ, emotional und verspielt ist.
„Shaun das Schaf“ / „Mister Rogers’ Neighborhood“ (falls verfügbar)– Ohne Worte, aber mit Haltung. Menschlichkeit, Empathie, Mut zur Langsamkeit.
Bücher:
„Rosa Parks“ oder „Malala“ aus der Little People, Big Dreams-Reihe – kindgerechte Held*innenportraits
„Antje Damm: Frag mich!“ – regt zum gleichwertigen Dialog an
„Lotta kann fast alles“ – frech, wild und unbeirrbar
„Pippi Langstrumpf“ – ja, sie ist nicht perfekt. Aber sie sprengt Rollenbilder
„Der Junge, der mit den Piranhas schwamm“ von David Almond– Eine Geschichte über Mut, Anderssein und Selbstbestimmung. Ein Junge, der nicht kämpft, sondern denkt, fühlt – und seinen eigenen Weg findet.
„Nennt mich nicht Ismael!“ von Michael Gerard Bauer– Witzig, tiefgründig, männliche Hauptfigur mit Gefühlen, Zweifeln, Haltung.
„Der Pfad“ von Rüdiger Bertram– Zwei Kinder auf der Flucht im Zweiten Weltkrieg. Emotional, zart und voller Fragen nach Moral, Angst, Vertrauen.(Wurde auch verfilmt.)
„Alles, was ich weiß über die Liebe“ von Dolly Alderton (Jugendversion)– Authentisch, ehrlich, genderoffen – tolle Gesprächsthemen für ältere Teenager.
„The Hate U Give“ von Angie Thomas– Für Jugendliche ab ca. 14. Gesellschaftskritik, Rassismus, Ungleichheit – und Jungen mit Herz, Haltung und Entwicklung.
Filme (für Kinder & Jugendliche)
„Der Junge, der den Wind einfing“– Auf Netflix, basierend auf einer wahren Geschichte. Ein sensibler Junge wird zum Erfinder, nicht durch Stärke – sondern durch Neugier und Beharrlichkeit.
„Wunder“ (nach dem Buch von R. J. Palacio)– Ein Junge mit Gesichtsdeformation zeigt, was es heißt, mutig zu sein – jenseits von Heldentum.
„Inside Out – Alles steht Kopf“– Gefühle dürfen sein. Auch bei Jungs. Ein Meisterwerk über innere Welten, das immer wieder neue Gespräche öffnet.
„Billy Elliot – I Will Dance“– Tanz, Tränen, Widerstand gegen toxische Männlichkeitsnormen. Klassiker mit feministischer Botschaft.
„Mein Leben als Zucchini“ (ab ca. 10 Jahre)– Animationsfilm über Verlust, Freundschaft, Sensibilität und Gemeinschaft. Zart, tief, wunderschön.
Wie ich Feminismus im Alltag vorlebe – und wo ich stolpere
Ich versuche, meine Kinder nicht auf Rollen zu reduzieren. Ich versuche, Emotionen nicht zu bewerten, sondern zu begleiten. Ich versuche, Streit als Lernchance zu sehen – nicht als Versagen. Und manchmal schaffe ich das. Manchmal nicht.
Feminismus bedeutet für mich nicht, alles richtig zu machen. Sondern hinzusehen. Zu reflektieren. Und offen zu bleiben für Veränderung.
Vielleicht fragt dich dein Kind auch mal:„Was ist eine Feminist*in?“ Dann brauchst du keine perfekte Definition. Nur den Mut, echt zu sein. Und das Vertrauen, dass es okay ist, wenn wir gemeinsam lernen.
Denn Gleichberechtigung ist keine Theorie. Sie beginnt in Beziehungen. Und sie wächst mit uns.
Wenn dein Kind dich nicht fragt: Erklär ihm/ihr* trotzdem, warum das Thema wichtig ist - immer wieder!
Und wenn du noch Ergänzungen zu Büchern, Filmen etc. hast - bitte lass es mich wissen!



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