Ab jetzt arbeitest du gratis!
- Sandra Maria Sabitzer
- 6. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Gratuliere, du bist eine Frau!
Am 02.11. war der Equal Pay Day. Das heißt: Ab jetzt arbeiten Frauen* statistisch gesehen bis Jahresende unbezahlt. Und das, obwohl wir längst „Gleichberechtigung“ haben sollen.
Ich weiß, Zahlen sind trocken.
Aber diese hier nicht: Frauen* verdienen in Österreich im Schnitt 17,3 % weniger als Männer. Und wenn man die unbezahlte Arbeit dazurechnet – also Care-Arbeit, Kinderbetreuung, Haushalt, emotionale Organisation – dann verschiebt sich das Verhältnis noch einmal deutlich.
Und ja: Ich weiß, dass ich privilegiert bin. Ich verdiene mein eigenes Geld.
Ich konnte sogar als erste in meiner Familie studieren. Ich lebe gleichberechtigt.Ich habe Entscheidungsfreiheit. Und trotzdem spüre ich diesen Gap.
In jedem Gespräch über Geld, das sich plötzlich komisch anfühlt. In jedem Moment, wo ich weniger Zeit für Erwerbsarbeit habe, weil Care-Arbeit Vorrang hat. In dieser diffusen Angst, dass Abhängigkeit wiederkommen könnte – obwohl sie faktisch längst weg ist.
Es ist absurd: Wir reden über Gleichberechtigung, aber nicht über Geld. Wir feiern Selbstbestimmung, aber schämen uns, Gehälter zu nennen. Wir organisieren, planen, halten – unbezahlt (das machst du doch wohl gern, oder? Du hast dich doch für eine Familie entschieden!)
Der feministische Blick:
Der Gender Pay Gap ist kein individueller Fehler. Er ist das Ergebnis jahrzehntelanger Strukturen, in denen Frauen* systematisch entwertet wurden. Arbeit, die Nähe, Empathie, Fürsorge und Geduld braucht – wird bis heute schlechter bezahlt (und Frauen gehen nicht in Jobs wo sie weniger verdienen - erst wenn Frauen die Mehrheit einer Branche ausmachen, wird diese Branche schlechter bezahlt!!!)
Oder gar nicht bezahlt.
Das hat mit Wert zu tun – nicht mit Leistung. Mit gesellschaftlicher Wahrnehmung, nicht mit Anstrengung. Wir haben gelernt, dass „Geld verdienen“ wertvoll ist – aber „Kümmern“ selbstverständlich (liegt Frauen wohl in den Genen räusper)
Und genau deshalb ist der Equal Pay Day kein Statistik-Thema. Er ist ein feministisches Alarmsignal. Ein Spiegel dafür, dass Gleichberechtigung auf dem Papier nicht reicht, wenn das System selbst Frauen* noch immer weniger wertschätzt.
Ich glaube, es geht beim Geld nicht nur ums Konto. Es geht um Würde. Um Anerkennung.

Und darum, endlich aufzuhören, Fürsorge und Fairness gegeneinander auszuspielen.
Ab heute arbeitest du gratis? Nein. Ab heute reden wir darüber, was unsere Arbeit wirklich wert ist. Und hoffentlich wachen auch Firmen und vor allem Männer auf und entlohnen fairer!
Alles Liebe und bis nächste Woche,
Sandra
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